Exploring Difference - The Philosophy of Undergraduate Education

Exploring Difference - The Philosophy of Undergraduate Education

10. April 2008, Berlin

Große Vielfalt: 
Die weit gehende Autonomie der Hochschulen und eine stärkere Marktorientierung begründen die große Vielfalt der Studiengänge, Angebote und Inhalte im Bereich der grundständigen Studien in Australien, den USA, Kanada und Großbritannien mit sehr unterschiedlichen Modellen sogar innerhalb der einzelnen Länder. Der Prozess der Diversifizierung ist z.T. schon seit mehreren Jahren im Gang, jede Einrichtung kann und muss ihr eigenes Profil erarbeiten. Neue Reglementierungen auf übergeordneter Ebene wären für diese Entwicklung hinderlich.

Bildungsmarkt:
Das ausgeprägte Marktbewusstsein und die Orientierung an den Anforderungen des Marktes prägen die Hochschulsysteme der angloamerikanischen Länder. Die generell erhobenen Studiengebühren haben einen großen instrumentellen Wert und bestimmen das Verhältnis zwischen Studierenden und Universität. Auch die Orientierung an Qualitätsvergleichen und nationalen wie internationalen Rankings ist für die meisten Hochschulen für eine Behauptung am Markt entscheidend. Bei der Bewertung von Bachelor-Abschlüssen fallen die Reputation der Herkunftshochschule und das individuelle Portfolio der Studieninhalte immer stärker ins Gewicht. Der Wettbewerb im stark wachsenden internationalen Bildungsmarkt spielt für die meisten Hochschulen eine große Rolle und beeinflusst die Planung der Studienangebote.

Forschungsorientierung:
Die breite Vielfalt der Angebote und die unterschiedlichen Marktanforderungen legen es nahe, die Frage nach dem Stellenwert der Forschung im undergraduate-Bereich neu zu stellen. Wenn in den Hochschulen vom streng berufs- und praxisorientierten Studiengang über eine breite, interdisziplinäre Ausbildung in liberal arts bis hin zu einem auf eine wissenschaftliche Karriere ausgerichteten akademischen Fachstudiengang alle Modelle möglich und nötig sind, muss die Humboldtsche Idee der Einheit von Forschung und Lehre neu überdacht und eher breit ausgelegt werden.

Mobilität:
Alle Experten betonten die wachsende Bedeutung von Auslandserfahrung im Rahmen von grundständigen Studiengängen. Fenster für Mobilität in die Studiengänge einzubauen und entsprechende Angebote und Unterstützungsleistungen bereit zu halten fällt aber in den vorgestellten Ländern in den Bereich der Profilbildung einzelner Hochschulen oder auch bestimmter Studiengänge. Gerade in Ländern mit traditionell geringer Studienmobilität wird die Verankerung von Auslandsaufenthalten in den Studienplänen zunehmend als attraktivitätssteigerndes Merkmal erkannt. Insbesondere in den USA finden sich Beispiele von Hochschulen, in denen hundert Prozent der Studierenden einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt realisieren.

Trends:
über die Grenzen und Hochschulsysteme der angloamerikanischen Länder hinweg sind folgende Entwicklungen und Gemeinsamkeiten zu beobachten: Grundständige Studiengänge verlangen häufig eher eine breite, berufsunspezifische Ausbildung. Dabei geht es um die Entwicklung der Persönlichkeit in kompetitiven, multidisziplinären Programmen mit starkem Anteil an "liberal arts".Forschungsorientierung ist hier also eher zu verstehen als das Entwickeln von analytischem, kritischem Denkvermögen in komplexen Strukturen und globalen Kontexten, wobei die Bedeutung von operativen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen als Bildungszielen der undergraduate educationwächst. Die eigentliche Berufsqualifizierung bzw. wissenschaftl. Fachausbildung findet zumeist erst in der Graduierten-Phase (Master bzw. PhD) statt, womit eine stärkere Trennung zwischenundergraduate vs. graduate education verbunden ist und konsekutive Modelle eher die Ausnahme sind.